In Bayreuth gibt es keinen aktuellen Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen, stellt die Kreisanalyse des IGES-Instituts in ihrem Endbericht für das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege fest. Dennoch wären mehrere Pflegeeinrichtungen in Bayreuth in Planung oder im Bau. AWO-Vorständin Marion Tost kritisiert den Trend der Pflegeeinrichtung als Anlageimmobilie für Investoren, auch weil andere Pflegebereiche darunter leiden könnten.

„Es ist jetzt schon schwierig, aufgrund des Fachkräftemangels Personal für die Pflegeeinrichtungen zu finden. So geht es nicht nur der AWO, sondern allen Pflegeträgern, egal ob nun in Bayreuth, in Nürnberg oder München. Diese Situation wird sich weiter zuspitzen, wenn Pflegeeinrichtungen gefühlt weiter wie Pilze aus dem Boden schießen, obwohl der Bedarf gar nicht vorhanden ist“, erklärt AWO-Vorständin Marion Tost. Die Geschäftsführerin der Bayreuther Arbeiterwohlfahrt befürchtet, dass es zu einem Verdrängungswettbewerb in der Pflege kommen könnte, der dazu führt, dass Pflegeeinrichtungen in Bayreuth Pflegeplätze oder gar Stationen aufgrund des Personalmangels nicht mehr belegen könnten. „Resultat wäre: Wir haben zwar dann viele Pflegeeinrichtungen in der Stadt, aber die wenigen Fachkräfte verteilen sich eben auch auf diese Mehrzahl an Seniorenheimen. Was weiter bedeutet, dass der Pflegebedarf für die Kunden nicht unbedingt besser abgedeckt werden kann.“
Tost sieht aber auch Gefahren für andere Pflegebereiche: Schon jetzt sei es für einige Pflegeträger oft schwer, eine ambulante Pflege dauerhaft aufrechtzuerhalten. Dabei ist hier der Bedarf hoch. „Je mehr Einrichtungen entstehen, desto mehr Fachkräfte verliert die ambulante Pflege. Die Menschen, die bisher noch einigermaßen eigenständig in ihrem Zuhause leben und Unterstützung im Alltag erhalten, werden also langfristig dazu gezwungen, in die stationäre Pflege zu wechseln.“

Tost sieht aber auch ein wachsendes Problem im weiter steigenden Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen – laut des Berichts des IGES-Instituts hat Bayreuth hier deutlichen Nachholbedarf. Angehörige fänden für ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder faktisch keinen Kurzzeitpflegeplatz in Bayreuth und wenden sich in ihrer Not an die ambulanten Dienste. Doch diese können das fehlende Kurzzeitpflegeangebot gar nicht auffangen oder gar ausgleichen, auch wenn es oft versucht wird.“ Wenn hier jetzt eine Fachkräfteverschiebung weg von der häuslichen hin zur stationären Pflege stattfindet, wird sich in diesem Bereich die eh schon prekäre Lage noch verschlimmern“, sagt Tost.

 

Text: Alexander Bauer, Pressereferent AWO Kreisverband Bayreuth-Stadt
Foto: AWO Kreisverband Bayreuth-Stadt