Die Einrichtungen der AWO Bayreuth-Stadt leisten für viele Kinder und Familien in Bayreuth täglich einen unverzichtbaren Beitrag. Umso wichtiger ist es, dass Räumlichkeiten und Außenanlagen den notwendigen Standards entsprechen und sichere, gesunde Bedingungen bieten. Bei mehreren Standorten bestehen jedoch seit Längerem erhebliche Mängel, die dringend behoben werden müssen. Dies weiß die Stadt Bayreuth auch, passiert ist aber relativ wenig – Stückwerk könnte man sagen.

Auch aus diesem Grund hat Vorständin Marion Tost gemeinsam mit dem stellv. Geschäftsführer Marc Walther die Präsidiumsmitglieder des Kreisverbandes, die im Bayreuther Stadtrat aktiv sind, zu Vorort-Begehungen eingeladen. Ziel war es, Problemlagen sichtbar zu machen und Handlungsbedarf klar zu benennen.

1. Kita Kunterbunt, Altstadt Bayreuth
Hier berichtete Denise Schreiber, Leitung der Kita, dass das Außengelände derzeit nicht sicher nutzbar ist. Es fehlt ein geeigneter Zaun, wodurch Kinder mit den Fahrzeugen nicht fahren können. Zudem wurde Müll im Sandkasten gefunden, unter anderem Flaschen, Spritzen und Zigarettenreste. Die Rutsche sei nicht nutzbar, da sie nicht ordentlich verankert sei. Hier gibt es Handlungsbedarf, wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen.

2. Luitpoldschule
An der Luitpoldschule wurden im Rahmen der Begehung weitere Mängel dokumentiert. Im Kellerflur ist vereinzelt Schimmel an den Wänden sichtbar, mehrere Lufttrockner sind in den Räumen im Einsatz. Zudem ist die Brandschutztür defekt und der Notausgang verfügt über kein Panikschloss. In der Aula der Schule, die als Mensa und für die Betreuung der Kinder genutzt wird, werden dringend Lärmschutzmaßnahmen benötigt. Zudem ist die alte Holztür, die von der Mensa in den Pausenhof führt, so verzogen, dass permanent Kälte durch die fingerbreiten Spalte in die Mensa ziehen kann.

Weitere Punkte sind:
– Fehlende Brandschutzordnung
– keine eindeutige Beschilderung der Fluchtwege
– Mangelhafte Hygiene durch die Reinigungsfirma
– eine Toilette für 80 Kinder

3. Grundschule Herzoghöhe
Im Anschluss ging es mit den Stadträtinnen und Stadträten an die Grundschule Herzoghöhe, an der die AWO einen KiBBidS Hort in den zwei Pavillons auf dem Schulgelände betreibt Im Pavillon 2 (linker Pavillon) war besonders die Situation in den Toiletten auffällig. Hort Leitung Anke Funk berichtete davon, dass sie sich aufgrund ihres Alters schwer reinigen lassen und sie dadurch hygienisch unzureichend seien. Zudem stellten die Stadträte eine erhebliche Geruchsbelästigung fest, die nach Aussagen des Personals dazu führt, dass Kinder nur ungern auf die Toilette gehen. Defekte Fenster (können nicht mehr geöffnet werden, weil sie ansonsten nicht mehr geschlossen werden können) ein defekter Heizkörper und keine funktionsfähigen Jalousien runden die Mängelliste ab. Besonders die kaputten Jalousien sind in den Sommermonaten ein erhebliches Problem, da sich die Pavillon-Räume massiv aufheizen.
In Pavillon 1 herrscht ein ähnliches Bild: Im September führte die AWO eine einfache Schimmelmessung in den Räumen durch. Mitarbeitende hatten über Atembeschwerden geklagt, daraufhin reagierte die AWO zeitnah, sodass die diese Mitarbeiter nun nur noch im anderen Pavillon arbeiten dürfen. Die Ergebnisse der Messung – es wurde eine Schimmelbelastung festgestellt – wurden an die Stadt weitergeleitet; nach aktueller Einschätzung sei jedoch eine umfassendere Untersuchung notwendig, um eine gesundheitliche Gefährdung sicher auszuschließen, laut der Stadtverwaltung. Diese hat sie jedoch bislang nicht durchgeführt, obwohl sie Eigentümer der Pavillons ist. Ein Wasserschaden durch ein undichtes Dach konnte zwischenzeitlich behoben werden – die Wasserschäden im Bereich der Personal- sowie der Mädchentoilette sind weiterhin sichtbar, da hier kein Austausch der Deckenplatten erfolgte. Auch in Pavillon 1 sind die Toiletten schwer zu reinigen und weisen dadurch eine starke Geruchsbelastung auf.

Zusätzlich wurden im Pavillon 1 mehrere Mängel an den Fenstern festgestellt: Einige Fenster sind blind, andere lassen sich nicht mehr öffnen, wodurch besonders eine Gefahr im Brandfall existiert. Die Oberlichter sind mit Keilen befestigt und können überhaupt nicht mehr geöffnet werden – dadurch ist eine ausreichende Lüftung und Temperaturregelung – besonders im Sommer – nicht gewährleistet, ein Durchzug faktisch nicht möglich.

4. Kita Fizzli-Puzzli, Oberpreuschwitz
Der Garten der Kita darf seit mehreren Monaten (seit Oktober) nicht mehr bespielt werden, da erhebliche Sicherheitsprobleme festgestellt wurden, die – trotz Kenntnis der Stadt – bisher nicht behoben wurden. Das liegt vor allem daran, dass das Außengelände nicht mehr gesichert, da an mehreren Stellen der Zaun abgebaut wurde, der bereits seit 3 Jahren als sanierungsbedürftig und mangelhaft galt. Auch hier wurde mehrfach der Stadt Meldung gegeben mit der Bitte um Behebung. Ein Problem, das erst in den vergangenen Jahren zu einem wurde: der fehlende Sonnenschutz im Foyer der Kita. Im vergangenen Sommer wurden dort Temperaturen von mehr als 40 Grad gemessen. Im Arbeitsschutzgesetz ist geregelt, dass Arbeitnehmer in Räumen über 40 Grad nicht dauerhaft arbeiten dürfen. Für Kinder ist ein Aufenthalt gesundheitsgefährdend. Auch hier wurde vonseiten der AWO die Stadt gebeten, eine Lösung zu finden, da solche Temperaturen weder für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch für die Kinder zumutbar sind, bisher aber noch ohne Lösungsvorschlag. Das Problem ist hier außerdem, dass die Hitze vom Foyer aus in die Gruppenräume zieht

Fazit
Zusammenfassend machte die Begehung den Stadträtinnen und Stadträten deutlich, welch erheblicher Sanierungs- und Reparaturstau in städtischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe besteht und welche konkreten Einschränkungen dadurch für die Kinder entstehen. Veraltete Pavillons mit gravierenden baulichen Mängeln, mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Schimmelbildung sowie Reparaturen, die gar nicht oder nur mit teils erheblichen Verzögerungen ausgeführt werden, prägen den Alltag vor Ort.

Mit all diesen Bedingungen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich zu kämpfen. Umso bemerkenswerter ist ihr Einsatz: Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gelingt es ihnen, den Kindern eine verlässliche, engagierte und liebevolle Betreuung zu bieten. Mit hohem Engagement, Fachlichkeit und Kreativität kompensieren sie zahlreiche strukturelle Defizite und sichern Normalität und Teilhabe für die Kinder. Dieser Einsatz verdient besondere Anerkennung und unterstreicht die Dringlichkeit, die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen zeitnah zu verbessern.